Netzwerk-Architekten!

Kinder brauchen ein ganzes Dorf um gut groß zu werden.
Sprichwort aus Nigeria

Stellen Sie sich vor, Sie haben ein chronisch krankes Kind und drei weitere Kinder.

Ihre Eltern, Schwiegereltern, Freunde leben auf einem anderen Kontinent. In ihrem Stadtviertel gibt es keinen Kinderarzt, keinen Discounter und sie haben kein Auto.  Ihr Mann geht jeden Morgen um 5 Uhr zur Arbeit und kommt, weil er zwei Jobs hat, um 22 Uhr nach Hause. Sie sind selbst krank und können sich nicht erlauben auszufallen. Die Lehrerin sagt, dass ihre Kinder müde seien, nicht Fahrrad fahren können, in der Schule schlechter werden. Sie wissen, dass sie zu viel von den großen Kindern fordern, weil das Kleinste alles braucht….  

Eine von vielen Kindheitsgeschichten aus der Messestadt Riem. 

Als Mentorin hat Annette Reisinger solche und ähnliche familiäre Situationen kennengelernt. Ihr Engagement sensibilisierte sie für die Situation von Kindern und Familien, die in der Messestadt zuhause sind. Dabei wuchs ihre Sorge, dass viele Kinder und Jugendliche aufgrund mangelnder Fürsorge und Förderung Gefahr laufen, später ein nur wenig selbstbestimmtes und selbstwirksames Leben zu führen. 

Auf der Suche nach Lösungen diskutierte Annette Reisinger ihre Befürchtungen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bezirkssozialarbeit, mit den Rektorinnen der Grund- und Mittelschule an der Lehrer-Wirth-Straße, den dortigen Elternbeiräten, mit dem Familiengericht, dem Stadtjugendamt und mit anderen bereits in der Messestadt tätigen Einrichtungen. 

Von Beginn an kristallisierte sich im Dialog die Notwendigkeit eines Integrationszentrums für junge Menschen heraus. Die Idee fand mit Prinzessin Anna von Bayern und dem Ehepaar Viktoria und Philip von Wulffen einen starken Unterstützerkreis. Gemeinsam wurden Gelder eingeworben, die gemeinnützige GmbH StartStark gegründet und mit Condrobs e. V. ein erfahrener und anerkannter Träger der Kinder- und Jugendhilfe an Bord geholt. 

Vom Ladenlokal in der Kopenhagenstraße 11 aus unterstützt StartStark seit dem 1. Mai 2017 junge Menschen und ihre Familien dabei, soziale Herausforderungen selbstständig in den Griff zu bekommen. 

Die Gewissheit, dass in der Messestadt Riem langfristig ein Kinder- und Jugendhaus entstehen soll und muss, ist geblieben. Die Idee dahinter wurde allerdings stark verfeinert. Anstatt ‘nur’ auf ein Haus zu setzen, sind die Ziele, die StartStark verfolgt, nachhaltiger: Wir sind überzeugt, dass wirksame Angebote insbesondere aus dem Bedarf und unter möglichst großer Beteiligung der Zielgruppe heraus entwickelt werden müssen. Aus diesem Grund möchten wir ein stabiles Netzwerk aufbauen, um dann gemeinsam mit den Menschen vor Ort diejenigen Projekte entwickeln, die später einmal unter dem Dach eines Integrationszentrums umgesetzt und von dort ausgehen werden.

Gemeinsam wollen wir einen lebendigen Ort schaffen. Einen Ort der Begegnung und des Sozialen für jungen Menschen und ihre Familien in der Messestadt Riem. Nicht nur weil wir es den Kindern schuldig sind, die eine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben verdient haben. Sondern weil wir es uns auch als Gesellschaft nicht leisten können, auf ihre Talente und ihre volle Entwicklung zu verzichten.